Dass ich Radfahrer geworden bin, hat in meiner Familie keinen überrascht, denn mein Vater war schon Radrennfahrer und übrigens auch ein ganz passabler Sprinter. Aber anfangs lebte ich meinen sehr ausgeprägten Bewegungsdrang noch ohne Fahrrad aus. Bis zum 13. Lebensjahr war ich Leichtathlet bei der SG Motor Arnstadt. Ob ich ähnlich talentiert wie meine Mutter bin, die Hochspringerin war, weiß ich nicht, kann ich mir aber kaum vorstellen. Als ich das Radfahren erst mal entdeckt hatte, war klar: Das ist mein Sport. Warum ich ausgerechnet im Alpen-Urlaub auf die Idee kam, unbedingt ein Rennrad haben zu wollen, kann ich mir zwar nicht so richtig erklären, denn das Hochgebirge war noch nie mein Lieblingsterrain. Noch auf dem Heimweg aus Tirol organisierte mein Vater via Telefon ein Rennrad für mich. An die erste Runde im Sattel kann ich mich noch gut erinnern, nach den kaum mehr als 30 km bei Gluthitze war ich völlig fertig, aber stolz und glücklich. Ich war infiziert.
Kurz drauf bin ich dann dem Radverein RSV Adler Arnstadt beigetreten, der von Helmut und Jens Böttner geleitet wurde. Auch wenn mein erstes echtes Radrennen im Gelände stattfand, Mountainbiken war für mich vor allem Techniktraining, meine Leidenschaft galt dem Rennrad. Zu meiner Trainingsgruppe unter Erwin Erdmann in Arnstadt gehörten 2002 auch die beiden May-Zwillinge Max und Sebastian, mit denen ich später auch gemeinsam im Thüringer Energie Team fuhr. Zusammen und vor allem mit einer klasse Teamleistung fuhren wir unseren ersten Sieg bei einem Kriterium ein, im Jahr drauf haben wir dann auch den thüringischen Landesmeistertitel geholt. Dass ich von Anfang an von Siegen verwöhnt worden wäre, kann man aber wirklich nicht behaupten. Die ersten Rennen, vor allem auf dem Mountainbike, konnte ich nicht besonders weit vorn beenden. Doch das war für mich auch nicht so wichtig. Von meinem Vater hatte ich gelernt, dass die Platzierung im Ziel egal ist, wenn ich nur Alles gegeben hatte. Auch wenn ich erst noch lernen musste, wie ich mich total verausgaben und alles aus mir herausholen kann, ein wenig von dieser Einstellung habe ich mir bis heute bewahrt. Sie hilft mir auch mit Niederlagen umzugehen und zu akzeptieren, wenn jemand besser ist als ich – meinen Ehrgeiz und Siegeswillen hat es dennoch nicht geschmälert.
Nach dem Wechsel auf das Erfurter Sportgymnasium konnte ich noch besser trainieren und Schule und Sport aufeinander abstimmen, was sich 2005 mit dem Sieg bei der Junioren-Weltmeisterschaft im Einzelzeitfahren auszahlte. Im Jahr drauf konnte ich den Titel sogar ein zweites Mal holen. Als Favorit erneut gewinnen zu können, war für mich bis heute der schönste und emotionalste Erfolg. Der wichtigste Schritt auf dem Weg zum Profi war die Zeit im Thüringer Energie Team. Bereits in meinem ersten U23-Jahr konnte ich an der Seite von Tony Martin die Thüringen Rundfahrt bestreiten und wichtige Erfahrungen sammeln. Im Team von Manager Jörg Werner konnte ich mich nicht nur sukzessive weiterentwickeln, wir waren als Team eine Einheit und dazu sehr erfolgreich. Das Thüringer Energie Team war mein Sprungbrett ins Profigeschäft, obwohl mein letztes U23-Jahr alles andere als glücklich verlief. Nach der sehr guten Saison 2009 hatte ich 2010 viel Pech mit Verletzungen und Krankheit und konnte nicht zeigen, was ich zu leisten im Stande bin. Iwan Spekenbrink von Skil-Shimano gab mir trotzdem eine Chance und ich bin sehr glücklich, dass in mich gesetzte Vertrauen mit einer unfassbar erfolgreichen Debutsaison rechtfertigen zu können. Mein Ziel ist, einmal bei der Tour de France am Start zu stehen, hoffentlich klappt es schon 2012!
















