Marcel Kittel Marcel Kittel
en de
fader_83fader_84fader_86fader_87fader_88fader_91fader_94fader_98

erfurt_1
erfurt_2
erfurt_3
erfurt_4
erfurt_5
erfurt_6
erfurt_7

Vita

Dass ich Radfahrer geworden bin, hat in meiner Familie keinen überrascht, denn mein Vater war schon Radrennfahrer und übrigens auch ein ganz passabler Sprinter. Aber anfangs lebte ich meinen sehr ausgeprägten Bewegungsdrang noch ohne Fahrrad aus. Bis zum 13. Lebensjahr war ich Leichtathlet bei der SG Motor Arnstadt. Ob ich ähnlich talentiert wie meine Mutter bin, die Hochspringerin war, weiß ich nicht, kann ich mir aber kaum vorstellen. Als ich das Radfahren erst mal entdeckt hatte, war klar: Das ist mein Sport!

Warum ich ausgerechnet im Alpen-Urlaub auf die Idee kam, unbedingt ein Rennrad haben zu wollen, kann ich mir aber nicht so richtig erklären, denn das Hochgebirge war noch nie mein Lieblingsterrain. Noch auf dem Heimweg aus Tirol organisierte mein Vater via Telefon ein Rennrad für mich. An die erste Runde im Sattel kann ich mich noch gut erinnern, nach den kaum mehr als 30 km bei Gluthitze war ich völlig fertig, aber stolz und glücklich. Ich war infiziert.

Kurz darauf bin ich dann dem Radverein RSV Adler Arnstadt beigetreten, der von Helmut und Jens Böttner geleitet wurde. Auch wenn mein erstes echtes Radrennen im Gelände stattfand, Mountainbiken war für mich vor allem Techniktraining, meine Leidenschaft galt dem Rennrad. Zu meiner Trainingsgruppe unter Erwin Erdmann in Arnstadt gehörten 2002 auch die beiden May-Zwillinge Max und Sebastian, mit denen ich später auch gemeinsam im Thüringer Energie Team fuhr. Zusammen und vor allem mit einer klasse Teamleistung fuhren wir unseren ersten Sieg bei einem Kriterium ein, im Jahr drauf haben wir dann auch den thüringischen Landesmeistertitel geholt.

Dass ich von Anfang an von Siegen verwöhnt worden wäre, kann man aber wirklich nicht behaupten. Die ersten Rennen, vor allem auf dem Mountainbike, konnte ich nicht besonders weit vorn beenden. Doch das war für mich auch nicht so wichtig. Von meinem Vater hatte ich gelernt, dass die Platzierung im Ziel egal ist, wenn ich nur Alles gegeben hatte. Auch wenn ich erst noch lernen musste, wie ich mich total verausgaben und alles aus mir herausholen kann, ein wenig von dieser Einstellung habe ich mir bis heute bewahrt. Sie hilft mir auch mit Niederlagen umzugehen und zu akzeptieren, wenn jemand besser ist als ich – meinen Ehrgeiz und Siegeswillen hat es dennoch nicht geschmälert.

Nach dem Wechsel auf das Erfurter Sportgymnasium konnte ich noch besser trainieren und Schule und Sport aufeinander abstimmen, was sich 2005 mit dem Sieg bei der Junioren-Weltmeisterschaft im Einzelzeitfahren auszahlte. Im Jahr darauf konnte ich den Titel sogar ein zweites Mal holen. Als Favorit erneut gewinnen zu können, war für mich bis heute der schönste und emotionalste Erfolg.

Der wichtigste Schritt auf dem Weg zum Profi war die Zeit im Thüringer Energie Team. Bereits in meinem ersten U23-Jahr konnte ich an der Seite von Tony Martin die Thüringen Rundfahrt bestreiten und wichtige Erfahrungen sammeln. Im Team von Manager Jörg Werner konnte ich mich nicht nur sukzessiv weiterentwickeln, wir waren als Team eine Einheit und dazu sehr erfolgreich. Das Thüringer Energie Team war mein Sprungbrett ins Profigeschäft, obwohl mein letztes U23-Jahr alles andere als glücklich verlief. Nach der sehr guten Saison 2009 hatte ich 2010 viel Pech mit Verletzungen und Krankheit und konnte nicht zeigen, was ich zu leisten im Stande bin.

Das Team Skil-Shimano gab mir trotzdem eine Chance und ich war glücklich, dass in mich gesetzte Vertrauen mit einer unfassbar erfolgreichen Debütsaison rechtfertigen zu können. Ich kam am Ende der Saison 2011 auf 17 Siege, womit ich hinter Philippe Gilbert der Fahrer mit den zweitmeisten Siegen des Jahres wurde. Die Saison 2011 war damit die erfolgreichste Saison eines Neoprofis in der Geschichte des Radsports.

In der Saison 2012 gewann ich 13 UCI-Rennen. Bei meinem Tour de France-Debüt musste ich nach einem Magen-Darm-Infekt und Knieschmerzen auf der fünften Etappe aufgeben. Zu Beginn der Saison 2013 erzielte ich als Sprintsieger auf der zweiten Etappe von Paris–Nizza einen weiteren Erfolg in einem World-Tour-Rennen. 2013 gewann ich im Massensprint die erste Etappe der 100. Tour de France in Bastia auf Korsika und trug als 14. Radsportler aus Deutschland das Gelbe Trikot. Für mich war dies bei weitem der größte Tag in meinem Leben. Dazu kamen drei weitere Etappensiege, darunter die Schlussetappe mit der Zielankunft auf den Champs-Élysées. Ein Sieg auf den Champs-Élysées ist der absolute Wahnsinn. Ein Traum ist für mich in Erfüllung gegangen. Das war ein unglaublicher Abschluss für eine noch unglaublichere Tour für uns alle. Gelbes Trikot, das Grüne, das Weiße, vier Etappensiege und ein zweiter Platz von meinem Teamkameraden John Degenkolb.

Der Gedanke, dass sich 2014 dieses Märchen wiederholte, ich erneut in Gelb fuhr, insgesamt vier Etappen gewinnen konnte und eine davon wieder in Paris, beschert mir noch heute Gänsehaut. Erfolgsverwöhnt wie ich war, warf mich 2015 allerdings ein Virus und eine zu frühe Rückkehr ins Renngeschehen weit zurück. Ich konnte zwar einige Rennen gewinnen, aber die verwehrte Teilnahme an der Tour de France brachte mich um die Chance, noch weitere Siege bei der großen Schleife einzufahren.

Einen Motivationsschub bescherte mir der Wechsel in das Team von meinem Freund Tony Martin Etixx – Quick-Step, in dem ich seit Anfang 2016 Sprintkapitän bin.

Fotos: zu Fuß durch Erfurt | roth-foto.de
etixx_quickstep
tour_gelb

Steckbrief

Name Marcel Kittel
Geburtstag 11.05.1988
Geburtsort Arnstadt
Wohnort Erfurt
Größe 188 cm
Gewicht 85 kg
Interessen
entspannen mit Musik auf meiner Couch
mit Freunden ausgehen
gutes Essen
gerne auch mal shoppen
Fahrertyp Sprinter
Trainer Koen Pelgrim
Sportlicher Werdegang
Etixx - Quick-Step (seit 2016)
Team Giant-Alpecin (2015)
Team Giant-Shimano (2014)
Team Argos-Shimano (2012-2013)
Skil-Shimano (2011)
Thüringer Energie Team (2007-2010)
TeamSpirit Store Road ID Škoda Etixx - Quick-Step